Welcoming international students to Switzerland with S3P3
Schweizer Sommerprogramm für Teilchenphysikstudierende: Simulationen, Schichten, Schokolade und Connections

Ach, Sommer in der Schweiz ... Sie locken mit kristallklaren Seen, majestätischen Bergen und Wanderungen durch traumhafte Landschaften. Ach, Praktika und Sommerschulen ... Eine Karriere in der Wissenschaft startet oft dann richtig durch, wenn man echte Forschungserfahrung sammelt und Menschen trifft, die in dem eigenen Fachgebiet arbeiten. Und wenn beides zusammenkommt, verspricht das ein Ereignis, das das Leben verändern kann... Sehr verehrte Damen und Herren, wr präsentieren: das Swiss Summer Student Particle Physics Program (auch bekannt als σ3 π3 für Physik-Liebhaber)!
Zum zweiten Mal in Folge haben sich Schweizer Institute zusammengetan und laden Studierende aus dem Ausland ein, ihren Sommer in der Schweiz zu verbringen und an Forschungsprojekten zu arbeiten. 2024, dem Pilotjahr des Programms, nahmen sechs Studierende aus Europa an Projekten rund um die Teilchenbeschleunigerphysik teil. In diesem Jahr, mit einem neuem zentralen Organisationsteam bestehend aus ETH Zürich, den Universitäten Bern, Genf und Zürich sowie der EPFL Lausanne, waren es elf Studierende aus zehn Ländern weltweit. Wie bei den bekannten Sommerprogrammen von Forschungszentren wie CERN, Fermilab oder DESY bewerben sich die Teilnehmenden mit einem Motivationsschreiben und Empfehlungsschreiben; das Auswahlkomitee lädt die besten Bewerber:innen zum Interview ein. Die ausgewählten Studierenden arbeiten dann zwei Monate lang an ihren Projekten — dieses Jahr ging es auch um Dunkle Materie, Neutrinophysik und die Entwicklung von Detektoren.
„Ich habe an Performance-Studien für verschiedene Vertex-Detektor-Designs am Future Circular Collider (FCC-ee) in der Gruppe von Florencia Canelli an der Universität Zürich gearbeitet,“ erzählt Mohamed Ahmed, Student aus Ägypten, der gerade seinen Master in Polen macht. „Besonders spannend war zu sehen, wie eng die Detektorlayouts mit ingenieurtechnischen Fragen wie Stromversorgung, Kühlung und mechanischer Stabilität zusammenhängen. Das hilft, die FCC-ee-Detektoren noch weiter zu verbessern. Ich schätze mich glücklich, so ein Projekt erlebt zu haben — denn künftige Beschleuniger werden die Richtung der Teilchenphysik stark prägen, und wir dürfen vielleicht die nächste Forscher-Generation werden. Ich möchte unbedingt eine Promotion in Teilchenphysik anschliessen.“
Die treibende Kraft hinter dem S3P3 ist Luigi Marchese, CMS-Forscher an der ETH und Fermilab. „Als ich so an meine Anfänge zurückdachte, wurde mir klar: Alles Gute in der Physik beginnt mit einem Forschungspraktikum“, sagt er. „Man lernt nicht nur spannende Projekte kennen, sondern auch viele Menschen. Für eine erfolgreiche Karriere braucht es Leute, die an einen glauben. Deshalb wollte ich dieses Sprungbrett auch der nächsten Generation bieten.“ Er kontaktierte die leitenden Forschenden an den Schweizer Instituten und stiess auf grosse Begeisterung — und finanzielle Unterstützung von SCNAT und CHIPP. Nach dem vorsichtigen Start 2024 entschied das Team: 2025 gehen wir aufs Ganze und werden wirklich international. Auch das kam gut an: Es gab fast 400 Bewerbungen für 11 Plätze.
Pilar Lopez Maggi aus Argentinien, Physik-Masterstudentin in Buenos Aires, erfuhr von einer Kollegin vom Programm. Sie forschte in der Gruppe von Anna Soter am Kristallkalorimeter für die PIONEER-Kollaboration bei der Low Energy Particle Physics-Gruppe der ETH Zürich. „Im Sommer habe ich viele Tests an den Kristallen gemacht, optische Simulationen, um das Design zu optimieren, Laborversuche an der ETH und sogar Messzeit am PSI-Strahl,“ erzählt sie. „Mein bleibendster Eindruck vom Sommer sind die intensiven, spannenden Tage mit dem PIONEER-Team am PSI – und die Erkundungen mit anderen Sommerstudierenden in Zürich.“
Da die Teilnehmenden in verschiedenen Instituten und Städten verteilt waren, mussten sie selbst Initiative ergreifen, um als Gruppe zusammenzufinden. Am Ende aber gab es einen grossen Abschluss-Tag mit Projektvorstellungen und Party für alle. Elena Muñoz Rivas aus Santander, Spanien, war in Laura Baudis‘ Team an der UZH und hat elektrische Felder für die duale Xenon-Kammer Xurich III simuliert. „Was mir am stärksten in Erinnerung bleibt, ist die herzliche Aufnahme und das Gefühl, wirklich Teil der Gruppe zu sein – und die Freundschaften mit anderen Studierenden. Ich werde auch nie das Gefühl vergessen, als ich den Best Talk-Awards gewonnen habe, womit ich bei dem hohen Niveau aller Präsentationen nicht gerechnet hätte.” Für Elena war es der erste Besuch in der Schweiz – und die tägliche Effizienz, die Freundlichkeit, die traumhaften Landschaften und natürlich die Schokolade haben einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen. „Es war sehr inspirierend, sowohl wissenschaftlich als auch persönlich. Ich kann mir vorstellen, künftig in einer internationalen Kollaboration wie dieser zu arbeiten. Ich bin sehr dankbar für die Chance, teilzunehmen: Es war eine tolle Lernerfahrung und grosse Motivation für meine Zukunft.“
„Wir machen definitiv weiter!“, fasst Marchese zusammen. Er und das Organisationsteam möchten im nächsten Jahr noch weitere Forschungsthemen aufnehmen.
Barbara Warmbein
Kontakt
Swiss Institute of Particle Physics (CHIPP)
c/o Prof. Dr Paolo Crivelli
CERN
Esplanade des Particules 1
1217 Meyrin
